Bernhard Kraus ist unzufrieden. Dem Vorsitzenden des Seniorenrates und seinen Mitstreitern fehlt in Rottweil eine aktive kommunale Seniorenpolitik. Sie wünschen sich eine professionelle Betreuung durch die Stadt, denken gezielt an eine Teilzeitangestellte. Dadurch soll den Belangen von Menschen der Altersgruppe 60 plus besser Rechnung getragen werden können. Diesen Wunsch äußerten Vertreter des Seniorenrats in einem Gespräch mit Mitgliedern des Forums Für Rottweil (FFR). Es mangle auf allen Seiten am Bewusstsein über die Bedürfnisse älterer Menschen, so Gabriele Sautermeister. Dieses Defizit gelte es zu mindern. Zudem fehle eine Institution, die Angebote für diese Personengruppe bündele und gezielt weitergebe, so dass ältere Menschen aus ihrer Isolation herauskommen und an der Gemeinschaft teilhaben könnten.
Kraus hielt die verstärkte Hinwendung zu der großen Gruppe der Senioren für unabdingbar, wies auf die stete Überalterung der Gesellschaft und die daraus folgenden Kosten hin. Es müssten neue Konzepte entwickelt werden, um Menschen aktiv zu halten, das Leben in der eigenen Wohnung zu fördern und damit den Gang ins teure Pflegeheim so lange wie möglich hinauszuschieben. Von dieser Aufgabe könne sich auch Rottweil nicht freimachen; auch hier kämen die gesellschaftlichen Veränderungen zum Tragen. Als Stichworte nannte der Seniorenrat die Entwicklung eines Leitbildes für Senioren und stimmiger Konzepte für neue Formen des generationsübergreifenden Wohnens sowie quartiersbezogene Altenpflege und Seniorenbetreuung. Dabei dürften die Teilorte nicht vergessen werden.
Wichtige Bausteine seien für den Seniorenrat die Entwicklung des Mehrgenerationenhauses und die getroffene Entscheidung für das Pflegeheim im Nägelesgraben. Doch das allein genüge nicht.
Die anwesenden Senioren kritisierten den Mangel an Zielgruppen orientierter kommunaler Politik. Das städtische Programm des Seniorenreferates sei überholt, stellte Gabriele Sautermeister fest. Es trüge den inzwischen sehr unterschiedlichen Bedürfnissen der Senioren nicht genügend Rechnung und müsse erweitert und modernisiert werden. Kraus wies immer wieder darauf hin, dass Investitionen in eine aktive Seniorenpolitik, über die bisher von kommunaler Seite beigesteuerten 16.000 Euro hinaus, sich mittel- und langfristig rechnen würden. Fehlende Seniorenpolitik koste die Allgemeinheit letztlich mehr Geld, so seine Schlussfolgerung. Die Kandidaten von FFR konnten vieles in diesem ersten Informationsgespräch teilen und verwiesen auf weitere Gespräche in der Zukunft.